VDA 6.3 – Prozessaudit in der Automobilindustrie
Wie das VDA-6.3-Prozessaudit Fertigungsprozesse entlang der Automotive-Lieferkette bewertet und absichert.
Das VDA-6.3-Prozessaudit ist eines der wichtigsten Werkzeuge zur Bewertung und Verbesserung von Prozessen in der Automobil-Zulieferkette. Herausgegeben vom Verband der Automobilindustrie (VDA) bzw. dessen Qualitäts Management Center (VDA QMC), prüft es risikoorientiert, ob ein Fertigungs- oder Entwicklungsprozess robust genug ist, um Qualität zuverlässig zu liefern. Für Zulieferer ist die Methode weit mehr als eine Formsache – sie entscheidet häufig über Aufträge und Lieferantenfreigaben.
Was ist das VDA-6.3-Prozessaudit?
VDA 6.3 ist ein branchenspezifischer Standard für Prozessaudits – im Unterschied zum System- oder Produktaudit. Im Fokus steht die Frage, ob ein Prozess beherrscht wird und die geforderte Qualität stabil erzeugen kann. Angewendet wird die Methode entlang des gesamten Produktlebenszyklus: von der Angebotsphase über die Produktentstehung bis zur Serienfertigung und Kundenbetreuung. Typische Anlässe sind Lieferantenbewertungen, Eskalationen bei Qualitätsproblemen, interne Selbstbewertungen oder die Freigabe neuer Standorte.
Die aktuell gültige Fassung ist die 4., überarbeitete Ausgabe vom Januar 2023. Sie löst die zuvor verbreitete Ausgabe 2016 ab. VDA 6.3 ist außerdem eng mit der Automotive-Kernnorm IATF 16949 verknüpft: Prozessaudits sind dort Bestandteil der geforderten internen Auditprogramme, und viele Automobilhersteller (OEM) setzen VDA-6.3-Kompetenz bei ihren Lieferanten voraus.
Die Prozesselemente P1 bis P7
Kern des Standards ist ein strukturierter Fragenkatalog, der den Wertschöpfungsprozess in sieben Prozesselemente gliedert:
- P1 – Potenzialanalyse: Vorabbewertung eines (potenziellen) Lieferanten oder Standorts, oft vor Auftragsvergabe.
- P2 – Projektmanagement: Steuerung und Planung von Entwicklungs- und Anlaufprojekten.
- P3 – Planung der Produkt- und Prozessentwicklung: Terminierung, Ressourcen und Reifegradsteuerung in der Entwicklung.
- P4 – Realisierung der Produkt- und Prozessentwicklung: Umsetzung, Bemusterung und Serienreife.
- P5 – Lieferantenmanagement: Auswahl, Steuerung und Entwicklung der eigenen Unterlieferanten.
- P6 – Produktionsprozess (Serienproduktion): das Herzstück des Audits – Bewertung der laufenden Fertigung, häufig mithilfe des Turtle-Diagramms (Input, Output, Mensch, Maschine, Material, Methode, Messung).
- P7 – Kundenbetreuung und Kundenzufriedenheit: Reklamationsbearbeitung, Service und kontinuierliche Verbesserung.
Bewertung und Ergebnis
Jede Einzelfrage wird nach einem einheitlichen Punkteschema bewertet: 10, 8, 6, 4 oder 0 Punkte – von vollständiger Erfüllung bis zu überwiegender Nichterfüllung. Aus den Einzelbewertungen wird je Prozesselement ein Erfüllungsgrad in Prozent ermittelt und daraus ein Gesamtergebnis abgeleitet. Die Einstufung erfolgt in drei Stufen:
- A – hoher Erfüllungsgrad (in der Regel ab 90 %),
- B – bedingt fähig (rund 80 bis unter 90 %),
- C – nicht fähig (unter 80 %).
Wichtig sind zudem festgelegte Abwertungsregeln: Kritische Einzelbefunde können die Gesamtbewertung herabstufen, selbst wenn der rechnerische Durchschnitt gut ausfällt. So wird verhindert, dass gravierende Risiken durch gute Werte an anderer Stelle überdeckt werden.
Was die Ausgabe 2023 verändert hat
Die Neuauflage bringt mehrere praxisrelevante Anpassungen mit sich:
- Harmonisierung mit Automotive SPICE und der Reifegradabsicherung für Neuteile (RGA/MLA), um Doppelbewertungen zu reduzieren.
- Überarbeiteter Fragenkatalog mit geänderter Fragenzuordnung, neuer Bewertung der Potenzialanalyse und stärkerer Berücksichtigung von Softwareaspekten.
- Explizite Regelungen zur Durchführung von Remote-Audits unter Berücksichtigung von Risiken und Einflussfaktoren.
- Verweis auf die ISO 19011 statt eines eigenen Auditprozess-Kapitels; das frühere Kapitel zu Prozessaudit-Dienstleistungen entfällt.
- Erhöhte Mindestanforderungen an die Qualifikation interner und externer Auditoren.
Qualifikation der Auditoren
An VDA-6.3-Auditoren werden hohe Anforderungen gestellt. Verlangt werden fundierte Fach- und Methodenkenntnisse, eine anerkannte Qualifizierung (VDA QMC) sowie einschlägige Berufserfahrung – üblicherweise mindestens drei Jahre, davon mindestens ein Jahr im qualitätsbezogenen Umfeld. Nur so ist gewährleistet, dass Audits fachlich belastbar und über Standorte hinweg vergleichbar sind.
Nutzen für Zulieferer
Richtig eingesetzt ist VDA 6.3 kein reines Prüfinstrument, sondern ein Werkzeug zur systematischen Risiko- und Prozessverbesserung. Unternehmen erkennen Schwachstellen früh – idealerweise schon in der Potenzialanalyse, bevor Serienprobleme entstehen. Interne Prozessaudits stärken zugleich die Position gegenüber OEM und Kunden.
Wie der VQB unterstützt
Der VQB begleitet kleine und mittlere Zulieferer praxisnah beim Aufbau und der Durchführung von VDA-6.3-Prozessaudits – von der Interpretation des Fragenkatalogs 2023 über interne Selbstbewertungen bis zur Vorbereitung auf Kunden- und Lieferantenaudits. Wir unterstützen bei der Qualifizierung Ihrer internen Auditoren, moderieren Audits neutral und leiten aus den Ergebnissen konkrete, umsetzbare Maßnahmen ab. So verbinden Sie Normkonformität mit echtem Reifegradfortschritt in Ihren Prozessen.





