FMEA – Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse: Grundlagen und Nutzen

Wie Sie mit der FMEA Risiken systematisch erkennen und Fehler vermeiden, bevor sie entstehen.
Fehler frühzeitig erkennen, statt sie später teuer zu korrigieren – das ist der Kern der FMEA. Die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse ist eine bewährte, systematische Methode, um potenzielle Fehler in Produkten und Prozessen zu identifizieren, ihre Folgen zu bewerten und wirksame Gegenmaßnahmen abzuleiten. Sie ist heute ein fester Bestandteil des präventiven Qualitätsmanagements und eines der zentralen Automotive Core Tools.
Was ist eine FMEA?
Die FMEA (englisch: Failure Mode and Effects Analysis) ist eine analytische Methode zur vorbeugenden Risikobeurteilung. Ein interdisziplinäres Team untersucht dabei systematisch, welche Fehler auftreten können, welche Ursachen sie haben und welche Folgen sie für Kunde, Produkt oder Prozess nach sich ziehen. Das Ziel ist eindeutig präventiv: Schwachstellen sollen bereits in der Entwicklungs- oder Planungsphase sichtbar werden – also bevor sie in der Serie, beim Kunden oder im Feld zu Ausfällen führen.
Im Kern beantwortet eine FMEA drei Fragen: Was kann schiefgehen? Wie wahrscheinlich und wie schwerwiegend wäre das? Und wie gut lässt sich der Fehler entdecken oder verhindern?
DFMEA und PFMEA – die zwei Grundtypen
Seit der Harmonisierung durch AIAG und VDA wird im Wesentlichen zwischen zwei Ausprägungen unterschieden:
- Design-FMEA (DFMEA): Sie betrachtet das Produkt und sein Design. Untersucht werden potenzielle Fehler, die die Funktion, Zuverlässigkeit oder Sicherheit eines Produkts beeinträchtigen könnten – idealerweise schon in der Konstruktionsphase.
- Prozess-FMEA (PFMEA): Sie analysiert Herstellungs- und Montageprozesse. Im Fokus stehen Fehlerursachen, die in der Fertigung entstehen können, etwa durch Maschinen, Material, Methode oder menschliches Handeln.
Ergänzend gibt es die FMEA-MSR (Monitoring and System Response), die das Systemverhalten während des Betriebs berücksichtigt – relevant vor allem bei sicherheitskritischen und softwaregestützten Systemen.
Der 7-Schritte-Ansatz nach AIAG & VDA
Mit dem gemeinsamen AIAG & VDA FMEA-Handbuch (Erstausgabe 2019) wurden die zuvor getrennten Vorgehensweisen von deutscher und nordamerikanischer Automobilindustrie zu einem einheitlichen Standard zusammengeführt. Die Methode folgt nun einem strukturierten Ablauf in sieben Schritten:
- 1. Planung und Vorbereitung – Umfang, Ziele und Team festlegen (neu eingeführt)
- 2. Strukturanalyse – System, Prozess oder Produkt in seine Elemente zerlegen
- 3. Funktionsanalyse – Funktionen und Anforderungen den Elementen zuordnen
- 4. Fehleranalyse – Fehlerarten, -folgen und -ursachen ermitteln
- 5. Risikoanalyse – Bewertung und Priorisierung der Risiken
- 6. Optimierung – Maßnahmen ableiten und Wirksamkeit sichern (neu eingeführt)
- 7. Ergebnisdokumentation – Nachweis und Kommunikation der Ergebnisse (neu eingeführt)
Von der RPZ zur Aufgabenpriorität (AP)
In der Risikoanalyse werden drei Kenngrößen jeweils auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet:
- Bedeutung (B): Wie schwerwiegend ist die Fehlerfolge?
- Auftreten (A): Wie wahrscheinlich tritt die Fehlerursache auf?
- Entdeckung (E): Wie gut lässt sich der Fehler vor Auslieferung entdecken?
Früher wurden diese Werte zur Risikoprioritätszahl (RPZ) multipliziert. Das erwies sich als problematisch, weil unterschiedliche Kombinationen zur gleichen Zahl führen konnten und ein hoher Wert bei „Bedeutung" durch niedrige andere Werte verdeckt wurde. Das Handbuch von 2019 hat die RPZ deshalb durch die Aufgabenpriorität (AP) ersetzt. Die AP stuft den Handlungsbedarf in drei Stufen – Hoch, Mittel und Niedrig – ein und stellt die Bedeutung des Fehlers stärker in den Vordergrund. So wird transparenter, wo Maßnahmen vorrangig erforderlich sind.
Warum sich die FMEA lohnt
Der Nutzen der Methode geht weit über die reine Fehlervermeidung hinaus:
- Kostensenkung: Fehler, die früh entdeckt werden, sind ungleich günstiger zu beheben als Reklamationen oder Rückrufe.
- Wissenssicherung: Die FMEA dokumentiert Erfahrungswissen strukturiert und macht es für Folgeprojekte nutzbar.
- Bessere Entscheidungen: Risiken werden objektiv bewertet und priorisiert statt nach Bauchgefühl.
- Erfüllung von Anforderungen: In der Automobilindustrie ist die FMEA im Rahmen der IATF 16949 und der Vorausplanung (APQP) fester Bestandteil des Qualitätsmanagements. Auch außerhalb des Automotive-Bereichs ist sie ein anerkanntes Werkzeug des Risikomanagements.
Entscheidend für den Erfolg sind ein interdisziplinäres Team, eine ehrliche Bewertung und das konsequente Nachhalten der abgeleiteten Maßnahmen. Eine FMEA ist kein einmaliges Dokument, sondern ein lebendes Instrument, das mit Änderungen an Produkt und Prozess fortgeschrieben wird.
Wie der VQB unterstützt
Der VQB begleitet kleine und mittlere Unternehmen praxisnah bei der Einführung und Anwendung der FMEA – von der Moderation Ihrer ersten Analyse über die Schulung Ihrer Teams im 7-Schritte-Ansatz bis zur Verankerung der Methode in Ihrem Managementsystem. Als gemeinnütziger Partner legen wir Wert auf handhabbare, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen, die zu Ihrer Unternehmensgröße passen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Risiken systematischer bewerten und Fehler nachhaltig vermeiden möchten.
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