MSA – Measurement System Analysis: Messsysteme absichern
Wie Sie mit der Messsystemanalyse belegen, dass Ihre Messwerte belastbar sind – von Gage R&R bis Attributprüfung.
Jede Prüfentscheidung ist nur so gut wie das Messsystem, das ihr zugrunde liegt. Zeigt ein Messmittel systematisch daneben oder streut es stark, sortieren Sie gute Teile aus und lassen schlechte durch – ohne es zu merken. Die Measurement System Analysis (MSA), auf Deutsch Messsystemanalyse, liefert den statistischen Nachweis, dass Ihre Messwerte für die vorgesehene Aufgabe geeignet sind.
Was die MSA leistet
Die MSA quantifiziert, welcher Anteil der beobachteten Streuung nicht aus dem Prozess oder dem Teil stammt, sondern aus dem Messsystem selbst – also aus Messmittel, Bediener, Prüfmethode, Umgebung und Prüfling. Ziel ist es, diesen Messfehler von der tatsächlichen Prozessstreuung zu trennen und zu bewerten, ob das Messsystem für die zu prüfende Toleranz taugt.
Als Referenzen dienen im Wesentlichen zwei Regelwerke: das AIAG-Handbuch „Measurement Systems Analysis" (MSA, 4. Ausgabe) aus dem angloamerikanischen Automotive-Umfeld sowie der VDA Band 5 „Prüfprozesseignung" in Deutschland, der sich an der internationalen Norm ISO 22514-7 (Fähigkeit von Messprozessen) orientiert. Beide verfolgen dasselbe Ziel, setzen aber teils unterschiedliche Kennzahlen und Schwellen.
Die Eigenschaften eines Messsystems
Ein Messsystem wird über mehrere statistische Eigenschaften charakterisiert. Man unterscheidet Lage- und Streuungseigenschaften:
- Bias (systematische Abweichung): Differenz zwischen dem Mittelwert der Messungen und einem Referenzwert.
- Linearität: Verändert sich der Bias über den Messbereich hinweg?
- Stabilität: Bleibt das Messsystem über die Zeit konstant (Überwachung z. B. per Regelkarte)?
- Wiederholpräzision (Repeatability): Streuung, wenn derselbe Prüfer dasselbe Teil mit demselben Messmittel mehrfach misst.
- Vergleichspräzision (Reproducibility): Streuung, die durch unterschiedliche Prüfer bzw. Bedingungen entsteht.
Repeatability und Reproducibility zusammen bilden die Gage R&R (GRR) – die in der Praxis meistbeachtete MSA-Studie.
Die Verfahren im Überblick
Nach VDA 5 gliedert sich die Untersuchung typischerweise in gestufte Verfahren:
- Verfahren 1: Untersuchung mit einem Normal an einem Prüfer. Bewertet werden Bias und Streuung über die Fähigkeitskennwerte Cg und Cgk; als Anforderung gilt üblicherweise ein Wert von mindestens 1,33 bei Betrachtung von 20 % der Toleranz.
- Verfahren 2: Gage R&R mit mehreren Prüfern, mehreren Teilen und Wiederholmessungen – schließt den Bedienereinfluss (Reproduzierbarkeit) ausdrücklich ein.
- Verfahren 3: Wie Verfahren 2, jedoch ohne Bedienereinfluss – für automatisierte Messungen, bei denen der Prüfer keine Rolle spielt.
Bewertung: Wann ist ein Messsystem geeignet?
Für die Gage R&R hat sich nach AIAG folgende Beurteilung des prozentualen Anteils %GRR (bezogen auf Toleranz oder Gesamtstreuung) etabliert:
- unter 10 %: Messsystem geeignet.
- 10 % bis 30 %: bedingt geeignet – Freigabe nur mit dokumentierter Begründung (Kritikalität des Merkmals, Prozessfähigkeit, Kosten einer Verbesserung).
- über 30 %: nicht geeignet, Messsystem muss verbessert werden.
Zusätzlich fordert die AIAG MSA eine zweite Kennzahl: die Number of Distinct Categories (ndc). Sie gibt an, wie viele statistisch unterscheidbare Gruppen das Messsystem innerhalb der Teilestreuung auflösen kann, und muss mindestens 5 betragen. Beide Kriterien müssen erfüllt sein – eine gute %GRR bei zu kleiner ndc genügt nicht. VDA 5 arbeitet demgegenüber mit einem Eignungskennwert (QMS bzw. QMP) und einem Grenzwert, der die erweiterte Messunsicherheit ins Verhältnis zur Toleranz setzt.
Attributive Merkmale: die Attributprüfung
Bei Gut/Schlecht-Entscheidungen (z. B. Sichtprüfung, Lehren) hilft keine kontinuierliche GRR. Hier kommt die Attribut-Übereinstimmungsanalyse zum Einsatz. Bewertet werden die Übereinstimmung der Prüfer untereinander und mit dem Referenzurteil – etwa über den Kappa-Wert (Werte über 0,75 gelten als gut) sowie über Kennzahlen wie Effektivität (Trefferquote ≥ 90 %), Fehlerquote „nicht erkannt" und Fehlalarmrate.
Typische Fehler in der Praxis
- Teileauswahl deckt nicht die reale Prozessstreuung ab – die GRR wird künstlich gut oder schlecht.
- Prüfer wissen, welches Teil sie gerade messen (fehlende Verblindung / Reihenfolge).
- Bezug der %GRR auf Toleranz oder Prozessstreuung wird nicht sauber dokumentiert.
- Stabilität wird einmalig geprüft, aber nicht laufend überwacht.
Wie der VQB unterstützt
Der VQB begleitet KMU dabei, MSA praxisgerecht in ihr Qualitätsmanagement einzubinden – von der Auswahl des passenden Verfahrens über die korrekte Studienplanung bis zur Auswertung nach VDA 5 bzw. AIAG MSA. Wir schulen Ihre Prüfer, prüfen bestehende Freigaben kritisch und helfen, kritische Messsysteme gezielt zu verbessern, statt Kennzahlen schönzurechnen. So schaffen Sie belastbare Prüfentscheidungen und eine tragfähige Basis für Prozessfähigkeit und Zertifizierung.



