Lieferantenmanagement und Lieferantenaudits
Wie Sie Lieferanten systematisch bewerten, auditieren und entwickeln – normkonform und praxisnah.
Kaum ein Unternehmen produziert seine Leistung heute vollständig allein. Zukaufteile, Dienstleistungen und ausgelagerte Prozesse bestimmen maßgeblich die Qualität, die am Ende beim Kunden ankommt. Ein strukturiertes Lieferantenmanagement mit passenden Lieferantenaudits sorgt dafür, dass diese externen Beiträge zuverlässig den vereinbarten Anforderungen entsprechen – und ist zugleich eine feste Vorgabe gängiger Managementnormen.
Warum Lieferantenmanagement zur Führungsaufgabe gehört
Fehler eines Lieferanten werden schnell zu Fehlern des eigenen Unternehmens: Reklamationen, Produktionsstillstände, Haftungsfragen und Imageschäden treffen den, der das Endprodukt oder die Dienstleistung verantwortet. Ein systematischer Umgang mit externen Anbietern reduziert diese Risiken, schafft Transparenz über die Lieferkette und bildet die Grundlage für stabile, partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen.
Hinzu kommen regulatorische Treiber. Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verpflichtet seit dem 1. Januar 2023 Unternehmen ab 3.000 und seit dem 1. Januar 2024 ab 1.000 Beschäftigten, menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken bei ihren Zulieferern zu erfassen. Auf europäischer Ebene wurde 2024 zusätzlich die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) verabschiedet. Auch kleinere Betriebe geraten dadurch als Zulieferer größerer Kunden zunehmend in die Pflicht, ihre eigenen Lieferanten belastbar zu steuern.
Anforderungen der ISO 9001:2015 (Abschnitt 8.4)
Die ISO 9001:2015 fasst das Thema in Abschnitt 8.4 „Steuerung extern bereitgestellter Prozesse, Produkte und Dienstleistungen" zusammen. Kernaussage: Die Organisation muss sicherstellen, dass extern bereitgestellte Prozesse, Produkte und Dienstleistungen den Anforderungen entsprechen. Daraus ergeben sich drei Schwerpunkte:
- Beurteilung und Auswahl (8.4.1): Es müssen Kriterien für Beurteilung, Auswahl, Leistungsüberwachung und Neubeurteilung von Lieferanten festgelegt und angewendet werden.
- Art und Umfang der Steuerung (8.4.2): Der Kontrollaufwand richtet sich nach dem Einfluss des Zukaufs auf die eigene Produktqualität – risikobasiert und abgestuft.
- Information für den Lieferanten (8.4.3): Anforderungen an Produkte, Prozesse, Personalkompetenz sowie geplante Verifizierungs- und Auditaktivitäten müssen klar kommuniziert werden.
Lieferantenbewertung als Steuerungsinstrument
Eine belastbare Lieferantenbewertung übersetzt die Normforderung in messbare Kennzahlen. Bewährt haben sich Kriterien wie:
- Qualität: Reklamationsquote, ppm-Werte, Fehlerkosten, Erstmusterergebnisse;
- Liefertreue: Termin- und Mengentreue;
- Preis und Kosten: Preisniveau, Preisstabilität, Total Cost of Ownership;
- Service und Kommunikation: Erreichbarkeit, Reaktionszeit, Reklamationsbearbeitung;
- Nachhaltigkeit und Compliance: Zertifizierungen, Umwelt- und Sozialstandards.
Aus den gewichteten Ergebnissen entsteht meist eine A/B/C-Klassifizierung, die Freigaben, Bestellvolumina, Prüfumfänge und Entwicklungsmaßnahmen steuert. Die Bewertung sollte regelmäßig – typischerweise jährlich – aktualisiert werden.
Lieferantenaudits: Arten und Ablauf
Wo Kennzahlen an Grenzen stoßen, schafft das Lieferantenaudit ein Bild vor Ort. Gebräuchliche Formen sind:
- Potenzial- bzw. Vorabaudit: vor der Vergabe, zur Bewertung der grundsätzlichen Eignung eines neuen Lieferanten;
- System-, Prozess- und Produktaudit: je nach Prüfgegenstand – Managementsystem, konkreter Fertigungsprozess oder einzelnes Produkt;
- Überwachungs- und Eskalationsaudit: zur laufenden Überwachung oder als Reaktion auf Qualitätsprobleme.
In der Automobilindustrie ist der VDA 6.3 der maßgebliche Standard für Prozessaudits bei Lieferanten. Die aktuelle Ausgabe VDA 6.3:2023 wurde zum 1. Januar 2023 veröffentlicht und stärkt die Themen Risikomanagement, Software („Products with Integrated Software") und Beschaffung. Der Fragenkatalog gliedert sich in sieben Prozesselemente (P1 Potenzialanalyse bis P7 Kundenbetreuung); jede Frage wird mit 0 bis 10 Punkten bewertet, woraus eine A/B/C-Einstufung des Lieferanten resultiert. Für laufende Lieferantenbewertungen liegt der Fokus häufig auf P4 bis P7, bei neuen Projekten werden alle Elemente ab P1 geprüft.
Ein Audit folgt stets einem geordneten Ablauf: Planung und Terminierung, Vorbereitung mit Auditplan und Fragenkatalog, Durchführung vor Ort oder als Remote-Audit, Bewertung, Berichterstellung sowie – entscheidend – die Nachverfolgung vereinbarter Korrekturmaßnahmen. Auditoren müssen dafür fachlich qualifiziert und unabhängig vom geprüften Bereich sein.
Vom Kontrollieren zum Entwickeln
Modernes Lieferantenmanagement erschöpft sich nicht in Kontrolle. Der eigentliche Mehrwert entsteht durch Lieferantenentwicklung: gemeinsame Ursachenanalysen, abgestimmte Maßnahmenpläne und der Aufbau langfristiger Partnerschaften. So werden aus Audit-Feststellungen dauerhafte Verbesserungen – zum Nutzen beider Seiten.
Wie der VQB unterstützt
Der VQB hilft Ihnen, Ihr Lieferantenmanagement normkonform nach ISO 9001, Abschnitt 8.4, aufzubauen – von der Bewertungssystematik bis zum passenden Kennzahlenset. Wir bereiten Ihre Lieferantenaudits vor, begleiten oder führen sie durch, auch als Prozessaudit nach VDA 6.3:2023, und qualifizieren Ihre internen Auditoren. Zudem unterstützen wir Sie dabei, Sorgfaltspflichten aus dem LkSG praxisgerecht in Ihre Lieferantenprozesse zu integrieren. Sprechen Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch an.
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Call for Tenders for Kitchen Construction Works at the Oakville Community Center | PDF | 1 MB | Download |
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