Energieeffizienz in der Produktion steigern
Wie Unternehmen mit System Energiekosten senken, gesetzliche Pflichten erfüllen und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Energie ist einer der größten und zugleich am stärksten schwankenden Kostenblöcke in der Produktion. Wer Verbräuche systematisch analysiert und gezielt Maßnahmen umsetzt, senkt nicht nur Kosten, sondern erfüllt zugleich wachsende gesetzliche Anforderungen und stärkt die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Der Weg zu mehr Energieeffizienz ist selten ein einzelnes Großprojekt, sondern die Summe vieler durchdachter Schritte.
Warum Energieeffizienz heute Chefsache ist
Steigende und volatile Energiepreise, Klimaschutzziele und ein verschärfter Rechtsrahmen machen den effizienten Energieeinsatz zu einer strategischen Aufgabe. Das am 18. November 2023 in Kraft getretene Energieeffizienzgesetz (EnEfG) schafft erstmals einen sektorübergreifenden Rahmen und nimmt Unternehmen konkret in die Pflicht:
- Unternehmen mit einem jährlichen Gesamtendenergieverbrauch von mehr als 7,5 GWh müssen ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS einführen und nachweisen.
- Ab einem durchschnittlichen Verbrauch von mehr als 2,5 GWh sind zusätzlich Umsetzungspläne für wirtschaftliche Einsparmaßnahmen zu erstellen und zu veröffentlichen sowie Abwärme nach dem Stand der Technik zu vermeiden und – soweit zumutbar – zu nutzen.
Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Auch für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), die nicht unmittelbar unter diese Schwellen fallen, lohnt sich das Thema: Effizienz senkt direkt die Betriebskosten und macht unabhängiger von Preisschwankungen.
Transparenz schaffen: Energieaudit und Kennzahlen
Am Anfang steht die Bestandsaufnahme. Ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 erfasst und analysiert systematisch alle wesentlichen Energieflüsse – von der Gebäudetechnik über Querschnittstechnologien bis zu den eigentlichen Produktionsprozessen und dem Nutzerverhalten. Das Ergebnis ist ein priorisierter Maßnahmenplan mit Einsparpotenzialen, Investitionsbedarf und Amortisationszeiten.
Wer dauerhaft steuern will, ergänzt das Audit um ein kontinuierliches Energiemonitoring. Aussagekräftige Energiekennzahlen (etwa Energieverbrauch pro produzierter Einheit) machen Erfolge messbar und decken Abweichungen frühzeitig auf. Genau hier setzt die ISO 50001:2018 an: Ihre revidierte Fassung betont die Verantwortung der obersten Leitung und verankert Energieeffizienz fest im kontinuierlichen Verbesserungsprozess (PDCA-Zyklus).
Wirksame Maßnahmen in der Produktion
Erfahrungsgemäß liegen die größten Potenziale in den Querschnittstechnologien, die in nahezu jedem Betrieb vorkommen.
Druckluft
Druckluft ist eine der teuersten Energieformen im Betrieb. Leckagen, zu hoher Netzdruck und ungeregelte Kompressoren verursachen erhebliche Verluste. Leckageortung, drehzahlgeregelte Kompressoren, eine Absenkung des Druckniveaus und die zentrale Steuerung mehrerer Erzeuger sparen oft deutlich – in Praxisfällen mehrere zehntausend Kilowattstunden pro Jahr.
Wärme und Abwärme
In vielen Prozessen geht Wärme ungenutzt verloren. Wärmerückgewinnung aus Kompressoren, Öfen, Kühl- und Lüftungsanlagen kann diese Energie für Heizung, Warmwasser oder vorgelagerte Prozesse verfügbar machen. Eine kaskadenförmige Nutzung der Abwärme ist für größere Verbraucher inzwischen sogar gesetzlich gefordert.
Antriebe, Pumpen und Prozesse
- Elektrische Antriebe verbrauchen einen Großteil des industriellen Stroms – hocheffiziente Motoren (IE4/IE5) und Frequenzumrichter passen die Leistung an den tatsächlichen Bedarf an.
- Pumpen- und Lüftungssysteme arbeiten oft dauerhaft im Volllastbetrieb; bedarfsgerechte Regelung senkt den Verbrauch spürbar.
- Prozesswärme und -kälte lassen sich durch Dämmung, optimierte Temperaturführung und moderne Steuerungstechnik effizienter bereitstellen.
Beleuchtung und Gebäude
Die Umstellung auf LED in Kombination mit Präsenz- und Tageslichtsteuerung amortisiert sich meist schnell. Gebäudedämmung, Lastmanagement und die Integration eigener Erzeugung (etwa Photovoltaik) runden das Bild ab.
Förderung nutzen
Zahlreiche Maßnahmen werden öffentlich gefördert. Energieaudits im Mittelstand unterstützt das BAFA mit bis zu 50 Prozent Zuschuss (maximal 3.000 Euro pro Audit). Für Investitionen bietet die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) attraktive Zuschüsse – etwa für Druckluftsysteme, Wärmerückgewinnung, Kälteanlagen, Pumpen und Steuerungstechnik. Eine frühzeitige Förderberatung vor der Auftragsvergabe ist entscheidend, da Anträge in der Regel vor Maßnahmenbeginn gestellt werden müssen.
Wie der VQB unterstützt
Der VQB begleitet Sie von der ersten Bestandsaufnahme bis zum wirksamen Energiemanagement: Wir strukturieren Energieaudits nach DIN EN 16247, unterstützen beim Aufbau und der Zertifizierung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 und helfen, Einsparmaßnahmen wirtschaftlich zu bewerten und zu priorisieren. Auch bei der Erfüllung der Pflichten aus dem EnEfG und bei der Auswahl passender Förderprogramme stehen wir Ihnen als gemeinnütziger, praxisnaher Partner zur Seite. So wird aus einzelnen Maßnahmen ein System, das dauerhaft Kosten senkt und Ihre Wettbewerbsfähigkeit sichert.

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